Alice Miller, Kindesmisshandlung, Kindesmissbrauch

Ein neues Buch von Alice Miller, Jenseits der Tabus, 2009, exclusiv im Internet

APRIL 2010

MARCH 2010

FEBRUARY 2010

JANUARY 2010

DECEMBER 2009

NOVEMBER 2009

OCTOBER 2009

SEPTEMBER 2009

AUGUST 2009

JULY 2009

JUNE 2009

MAY 2009

APRIL 2009

MARCH 2009

FEBRUARY 2009

JANUARY 2009

DECEMBER 2008

NOVEMBER 2008

OCTOBER 2008

SEPTEMBER 2008

AUGUST 2008

JULY 2008

JUNE 2008

MAY 2008

APRIL 2008

MARCH 2008

FEBRUARY 2008

JANUARY 2008

DECEMBER 2007

NOVEMBER 2007

OCTOBER 2007

SEPTEMBER 2007

AUGUST 2007

JULY 2007

JUNE 2007

MAY 2007

APRIL 2007

MARCH 2007

FEBRUARY 2007

JANUARY 2007

DECEMBER 2006

NOVEMBER 2006

OCTOBER 2006

SEPTEMBER 2006

AUGUST 2006

JULY 2006

JUNE 2006

MAY 2006

APRIL 2006

MARCH 2006

FEBRUARY 2006

JANUARY 2006

DECEMBER 2005

NOVEMBER 2005

OCTOBER 2005

SEPTEMBER 2005

AUGUST 2005

JULY 2005

Die Schuld
Sunday 24 May 2009





Liebe Alice Miller,
immer wieder kommt es zu großer Verwirrung um die Begriffe Schuld, Vergebung, Wut und
Zorn in bezug zu den Eltern. Ich denke, es hilft nur, immer wieder in deutlichsten
Worten auf die Zusammenhänge hinzuweisen: das, was die Probleme auslöst, sind im
Körper gespeicherte Schmerzerinnerungen. Es geht darum, diese Erinnerungen entweder
gar nicht erst entstehen zu lassen oder sie zu behandeln. Wenn die Erinnerungen schon
in mir sind, dann geht es ausschließlich um diese Erinnerungen in mir. Der Schlüssel
zur Heilung ist, diese Erinnerungen zu realisieren, zu akzeptieren und zu durchleben,
wodurch sie sich auflösen. Wenn Zorn und Wut nicht zur Auflösung des Schmerzes
führen, dann identifiziere ich mich weiterhin mit dem Ich, das Schmerz erlitten und sich
angepaßt hat. Den erlittenen Schmerz zu realisieren setzt voraus, daß mein Ich bereit
ist, sich zu verändern, denn die Verdrängung des Schmerzes ist in mein Ich integriert.
Aber welches Ding zerstört sich schon freiwillig selbst? Entweder muß der Leidens-
druck so groß werden, daß mein Ich zusammenbricht, oder ich kann mir immer mehr
Bewußtsein um die Vorgänge aneignen. Der helfende Zeuge ist solch eine Bewußt-
werdung, denn er nimmt meinen Zustand auf und zeigt ihn mir dadurch. So kann ich
meinen Zustand erkennen und ändern. Wie soll ich meinen Zustand ändern, wenn
er mir gar nicht bewußt ist?
Wie kommt es überhaupt zu der Situation der sich selbst quälenden Menschheit?
Ein Kind ist einfach und unschuldig da. Es löst Reaktionen aus. Es spürt diese
Reaktionen. Es richtet sich darauf ein. Spürt es wiederkehrend eine abwehrende
Reaktion, reagiert es darauf und paßt sich an. Es gibt sich faktisch "Schuld" an der
negativen Reaktion und versucht in Zukunft, sie zu vermeiden. Dieser Vorgang ist
zwangsläufig und entsteht, mehr oder weniger, unbewußt in jedem Menschen. Jede
so entstandene Schuld verdeckt ein Stück unserer wahren Identität als Mensch.
Vergebung bedeutet, daß ich mir selbst vergebe, daß ich mir bewußt mache, daß
ich an diesem Vorgang keine Schuld habe. Nur dann kann ich frei davon werden.
Besser ist eigentlich: ich gebe jede Schuld, die in mich hineingelegt wurde, zurück.
Nichts anderes besagt die Geschichte von Jesus am Kreuz: Werde Dich Deines Ichs
bewußt, sei bereit, es loszulassen, durchlebe alle Schmerzen, mit denen es verknüpft
ist, dann wird es sich auflösen und Du wirst, frei von aller Schuld und ohne Angst
ein neues Leben beginnen.
Es ist also entscheidend, die Aufmerksamkeit ganz auf das eigene Innenleben zu
richten. Je mehr ich an den Befinlichkeiten der Verursacher meiner Schmerzen hängen-
bleibe und den Reaktionen ihnen gegenüber, umso weniger komme ich mit mir selbst
voran.
Also: Das Erleben von Zorn und Wut dient der Auflösung meiner Schmerzerinnerung,
der Adressat in der Gegenwart bin damit ich selbst und niemand sonst.
Schuld ist ein zentraler Aspekt meiner unbewußten Ichwerdung, die Vergebung
oder das Zurückgeben dieser Schuld bringt mich zurück zu meinem wahren
Sein als Mensch.
Da das Wissen um das wirkliche Sein des Menschen auch nur wenigen Erwachsenen
und allen Babys bekannt ist: ist bin glücklich von innen heraus ohne äußere Ursache,
ich fühle mich mit dem Sein und allen Geschöpfen verbunden, wenn Angst in mir ist,
dann immer ausgelöst von außen und, da ich keine Last aus der Vergangenheit trage,
schleppe ich auch keine Furcht vor der Zukunft mit mir herum.IK


AM: Das klingt alles sehr schön und gut, aber was sollen wir uns vergeben, wenn wir gar keine Schuld tragen? Als Kinder waren wir unschuldig, aber als Erwachsene machen wir uns an unseren Kindern und anderen Menschen schuldig, wenn wir nicht wissen wollen, was unsere ELTERN uns angetan haben. Sie scheinen dieses Wort vermeiden zu müssen.

Top