Alice Miller, Kindesmisshandlung, Kindesmissbrauch

Ein neues Buch von Alice Miller, Jenseits der Tabus, 2009, exclusiv im Internet

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Illusionen ablegen
Friday 10 April 2009






Liebe Frau Miller,

angeregt durch die sehr berührenden Briefe auf Ihrer Forumsseite und stets begleitet durch alle Ihre Bücher und neuerdings auch durch einen „Wissenden Zeugen“ möchte ich mich zuerst einmal herzlich bedanken für Ihre steten Aufmunterungen für Ihre Leser. Ich las das erste Mal in einem Ihrer Bücher ca. im Jahre 1980, da hatte ich bereits meine erste Psychoanalyse hinter mir, in der der Analytiker mich empfing mit dem Satz: „Sie werden wieder als Lehrer arbeiten“, was ich seinerzeit partout nicht mehr wollte. Ich hatte aber nicht die Kraft, ohne Unterstützung etwas Neues anzufangen. Er hat mich dann so konditioniert, dass ich angepasst und widerwillig wie ein Schaf in die Herde zurückging und dort weitere gute 15 Jahre verbrachte und erst dann einen zweiten Versuch wagte, diesmal bei einem Guru, der sich nicht nur finanziell an mir bereicherte (ca. 75000 DM) sondern auch aufgrund seiner Wutanfälle mich erneut die Kleinheitsgefühle spüren ließ, die ich aus meiner Kindheit kannte, d.h. eine wahre Lust daran hatte, mich vor anderen klein zu machen und zu beschämen. Zu dieser Zeit war ich 53 Jahre alt. Ich schaffte dann zwar den Sprung aus dem ungeliebten Beruf, es dauerte aber weitere 15 Jahre, bis ich zufällig wieder auf Ihre Bücher stieß, die ich in der Zwischenzeit vergessen hatte – vor allem „Am Anfang war Erziehung“ - und nun heute mit meinem Alter von 69 Jahren den 3. Versuch mache, meiner Kindheit in dem protestantischen Pfarrhaus auf die Spuren zu kommen. Es wird höchste Zeit, das Leben dauert nicht mehr lang, und ich möchte trotzdem den Keller auskehren, d.h. meiner verfluchten Kindheit in dem frommen Pfarrhaus endlich ganz genau auf die Spuren kommen. Ich bin nur froh, dass ich nicht zu den 60 Prozent der Pfarrerskinder gehöre, die seiner Zeit zur Terroristenszene gehörten, wie Sie in „Am Anfang war Erziehung“ schreiben. Noch vor wenigen Monaten hätte ich den Pabst in Schutz genommen, die Bibel als höchste Weisheit bezeichnet und selbst die gesamte Esoterik gegen jeden Angriff verteidigt. Was mir geholfen hat? Der „Abbruch der Schweigemauer“ von Ihnen, „Die Gottesvergiftung“ von Tillmann Moser, Ihre einfühlsame Parteinahme von dem kleinen Franz Kafka in „Du sollst nicht merken“, sowie meine „emotionalen Ausraster“, die einfach nicht aufhören wollten, viele Leute nennen das normalen Jähzorn, mit denen ich meine Lebenspartnerin attackierte, wenn ich mich getroffen, klein und schwach fühlte. Da ich meine Partnerin nicht verlieren will, habe ich mich erneut zu einem Psychologen aufgemacht, der dem verletzten kleinen Jungen, der dauernd weint, endlich beistehen und ihm zuhören will. Es ist ein mühsamer Weg zu mir selbst, aber es gibt keine Alternativer dazu. Nach meiner Lebenserfahrung hilft weder Beten noch Affirmationen, weder NLP noch Systemtherapie, alles das ist – und da gehe ich mit Ihnen völlig mit – nur Verschleierung. Aber es macht ja auch ganz schön Angst, nochmal in den dunklen Keller zu steigen. Ich freue mich, dass es so viele Menschen auf Ihrer Forumsseite gibt, die ebenfalls den Mut dazu haben. Auch wenn ich Ihnen hier keine Einzelheiten der Quälereien im Pfarrhaus berichte, wissen Sie aus zigfacher Erfahrung, wovon ich zu berichten hätte. Nochmals herzlich Dank für Ihre Bücher.

Ihr CH. F


AM: Ja, ich kann mir vorstellen, WAS Sie auskehren wollen, und gratuliere Ihnen zu Ihrem Mut. Vielleicht helfen Ihnen meine ersten zwei Beiträge auf der Seite"Artikel". Doch Sie scheinen schon recht viele Illusionen abgelegt zu haben.

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