Alice Miller, Kindesmisshandlung, Kindesmissbrauch

Ein neues Buch von Alice Miller, Jenseits der Tabus, 2009, exclusiv im Internet

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Zeitverlust in irreleitenden "Therapien"
Sunday 08 March 2009


Liebe Alice Miller,

leider habe ich Ihre Bücher erst jetzt entdeckt! Hätte ich sie vor Beginn
meiner 3-jährigen Psychoanalyse gelesen, wäre mir viel erspart geblieben.

Nun zu meinem Leidensweg: seit 3 Jahren mache ich eine Psychoanalyse nach Jung,
leider hat sich an meiner Depression und Erschöpfung, die ich schon über 20
Jahre habe, nichts geändert.

Vor kurzem sagte mir meine Therapeutin, dass die Therapie fast zu Ende wäre
und wenn ich möchte, kann sie eine Verlängerung beantragen. Sie meinte, dass
ich mich jetzt besser abgrenzen kann und ganz kleinlaut fügte sie hinzu, dass
mit meiner Müdigkeit hätte sich nicht gebessert. Danach bin ich in ein Loch
gefallen, ganz große Hoffnungslosigkeit überfiel mich und ich hatte Gedanken
an den Tod... lieber sterben, als dieses "Leben" weiter zu ertragen
müssen. Ich bin 36 Jahre und habe bis heute nicht das Gefühl, wirklich gelebt
zu haben. Auch möchte ich keine Kinder, irgendwie mag ich keine kleinen Kinder,
aber auch das darf ich nicht leben. Ich muss so tun, als ob ich auch unbedingt
noch Kinder auf die Welt setzen möchte...

Ist es die richtige Therapeutin für mich, frage ich mich seitdem ich Ihre
Bücher gelesen habe. Ich habe fast ein Jahr lang parallel eine Traumatherapie
gemacht, natürlich geheim, die nach dem Verfahren von Peter Levine arbeitet und
Somatic Experience heißt... zumindest wollte ich das tun. Auch diese
Therapeutin hat mich um ein Jahr Lebenszeit betrogen - sie machte zuerst
Atemtherapie, dann ging es über in Verhaltenstherapie, bis ich irgendwann
durchschaut hatte, dass wenn es um meine Kindheit ging, immer wieder das Thema
gewechselt wurde. Mit viel Wut im Bauch habe ich diese "Therapie"
beendet.

Vieles habe ich verdrängt. Ich kann mich nur noch an die Zeit meiner Pubertät
erinnern. Da hat meine Mutter mich fertig gemacht, wie ich aussehe. Meine Haare
fand sie total schrecklich und ich sei zu fett und solle abnehmen. Dabei aß ich
damals aus lauter Frust und nahm zu. Ich fand mich selber auch zu dick und litt
um so mehr, dass meine Mutter solche üblen Sachen zu mir sagte.

In der Kindheit wurde ich geschlagen, hauptsächlich von meiner Mutter. Es tat
sehr weh, aber ich konnte den Schmerz nicht zeigen, ich fing an zu lachen,
obwohl innerlich habe ich geweint!

Manchmal kommen wir in der Analyse auf meine Mutter und ihr Verhalten zu
sprechen. Aber schon zweimal hat meine Therapeutin sofort gesagt, ich brauche
keine Angst zu haben, hier gehe es nicht darum, jemanden zu beschuldigen. Ich
wollte garnichts negatives über meine Eltern sagen, aber nachdem sie das sagte,
fiel mir nichts mehr ein. Danach hat sie mir nur noch erklärt, wie meine Mutter
ihre eigene Unzufriedenheit mit ihrem Aussehen auf mich übertragen hat. Ich
habe es verstanden, warum sie mich so gequält hatte, aber ich kann nichts
fühlen.

Wieso sagt sie das? Will sie mir die Angst nehmen, auf meine Eltern wütend zu
sein? Oder denkt sie, ich darf nicht böse auf meine Eltern sein, ich müsste es
verstehen, wie sie mich behandelt haben?

Als mein Bruder letztes Jahr sehr aggressiv reagierte und meiner Mutter mit
Morddrohungen das Leben schwer machte, versuchte sie die Sichtweise meines
Bruders zu verstehen. Sie kann es gut verstehen, er kann sich gut abgrenzen.
Aber was ist mit mir, ich habe keinen Zugang zu meiner Wut und habe unsere
Mutter verteidigt, indem ich zu meinem Bruder sagte, sie habe damals auch eine
schwere Kindheit gehabt und sie hat uns nicht anders behandeln können. Was ich
heute sicherlich nicht mehr tun werde!

Auch meine Gewalt gegen andere Kinder im Kindergarten, konnte sie gut
verstehen. Ich habe andere Kinder geschlagen, weil es damals Gewalt in der
Familie gab. Meine Mutter drohte mir mit Weggabe in ein Heim für "schwer
erziehbare" Kinder. Seitdem war ich ein total schüchternes Mädchen. Meine
Therapeutin sagte, dass wäre eine Methode der schwarzen Pädagogik gewesen und
solche Heime gibt es ja garnicht mehr. Aber wie kann ich als kleines Kind
wissen, dass es mir in dem Heim sicherlich besser gegangen wäre? Ich hatte
einfach große Angst.

Was meinen Sie, macht es Sinn meine Therapie zu verlängern und meiner
Therapeutin schriftlich (mündlich fehlt mir der Mut mit ihr offen über das zu
reden, was ich Ihnen schreibe) über meine Bedenken und großen Zweifel ihr
gegenüber zu informieren? Falls nein, wie kann ich die zwei Jahre Wartezeit,
bis ich eine neue Therapie bekomme, überbrücken?

Vielen Dank!

Viele liebe Grüße

M.S.

AM: Meines Erachtens macht es KEINEN SINN, Ihrer THERAPEUTIN ETWAS ERKLÄREN ZU WOLLEN. Versuchen Sie mein Buch "Dein gerettetes Leben" und auch meine ersten zwei Texte auf der Seite "Artikel" zu lesen.

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