Alice Miller, Kindesmisshandlung, Kindesmissbrauch

Ein neues Buch von Alice Miller, Jenseits der Tabus, 2009, exclusiv im Internet

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Unerwünschte Kinder
Sunday 04 May 2008

(Dieser Brief sowie die Antworten wurden aus dem Englischen übersetzt.)

Aus meiner Perspektive. . . ist die Wahrheit über Eltern, die fortfahren, die Tugend des Schlagens ihrer Kinder zu rechtfertigen, daß sie dieses Kind von vornherein nicht wollten. Das Kind wird als eine Last angesehen, noch ein hungriger Mund, der gefüttert werden muß. Der Erwachsene haßt das Kind bewußt oder öfter unbewußt. Der Erwachsene nimmt es jeden Wutanfall und jedes Mißverhalten, welches das Kind ausdrückt, persönlich. Der Erwachsene hat weder die Intelligenz noch die Reife, um über den Moment hinauszusehen und die Frustration oder das ausagieren des Kindes als ein Bedürfnis nach Liebe und Orientierung. Statt dessen wird dem Kind Gewalt gezeigt, was es noch weiter entfremdet und unglücklicher macht.
Die bedauerliche Wahrheit über mißhandelte Kinder ist, daß wir mit wertlosen Eltern belastet wurden. Wir wurden vom Schicksal Menschen gegeben, die für uns keinen anderen Gebrauch hatten als den eines Objektes, an dem sie ihren eigenen Ärger und Selbsthaß auslassen konnten.
Wenigstens können wir jetzt klar ihre Motive and Versagen erkennen. Das ist etwas, wofür wir dankbar sein können.
Wir müssen die antiquierte Parteilinie „ Spare the rod, spoil the child“ (Wer die Rute spart, verwöhnt [hasst] sein Kind) weder schlucken noch akzeptieren. Was soll das denn überhaupt bedeuten? Wie können Eltern unfähig sein, ein Kind zu lieben, jemals ein Kind verwöhnen? Schlagen ist so viel einfacher als Liebe. Ich meine, wie könnte irgend jemand sein eigenes Kind lieben und beschützen, um Gottes Willen? Liebe ist einfach nicht normal, Schlagen ist der richtige Weg – Schlagen -- gut gemacht! Und warum beim Schlagen aufhören? Warum nicht gleich den kleinen „Mistkerl“ beseitigen um sich selbst die Energie zu ersparen, daß man den Gürtel hervorholen und ihn die ganze Nacht durchs Zimmer jagen muß?
Ich bin natürlich ekelhaft sarkastisch, doch ich erinnere, daß ich manchmal bis zu dem Punkt geschlagen und beschimpft wurde, wo ich um mein eigenes Leben fürchtete. Was für ein Segen, am Leben zu sein und ohne Angst zurückschauen zu können. Hoffentlich gibt es einen Platz in der Hölle, der besonders für diejenigen reserviert ist, die glauben, daß es richtig ist, Kinder zu entmenschlichen.

AM: Vielen Dank für Ihren mutigen Brief, der so viel Einblick zeigt. Sie haben recht, unerwünschte Kinder werden gewöhnlich mißhandelt. Doch es gibt auch eine große Menge von Leuten, die „erwünscht“ waren, wenn auch nur um die Rolle der Opfer zu spielen, die ihre Eltern brauchten, um Rache nehmen zu können. Sie waren „erwünscht“, um ihren Eltern das zu geben, was die niemals von ihren eigenen Eltern erhalten hatten: Liebe, Anbetung, Zuwendung und so viele andere Dinge. Warum denn würden sonst so viele Leute fünf oder mehr Kinder haben, wenn sie keine Zeit für sie haben? Warum adoptieren sie Kinder, wo ihr Körper sich doch weigert, ihnen das zu geben, was sie sich scheinbar „wünschen“?
Der niemals anerkannte, niemals gefühlte Schmerz ihrer Kindheit ruft danach, gerächt zu werden. Sie gehen in die Kirche, sie beten, sie ehren ihre Eltern, vergeben ihnen alles und mißhandeln zuhause ihre Kinder, oft auf grausame Weise, ALS OB DAS DIE NATÜRLICHSTE SACHE DER WELT WÄRE, weil sie dies so früh gelernt haben. Ihre Kinder lernen dieses pervertierte Verhalten auch sehr früh, und so wird dieses perverse Verhalten jahrtausendelang fortgesetzt. Außer wenn Menschen willens sind, die Perversion ihrer Eltern zu SEHEN und bereit sind, deren Imitation bewußt abzulehnen.
Sie sind nicht “ekelhaft sarkastisch”, Sie haben es nur gewagt, die Wahrheit auszusprechen, vor der die meisten Menschen Angst haben, sie zu sehen und darüber zu sprechen.


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