Alice Miller, Kindesmisshandlung, Kindesmissbrauch

Ein neues Buch von Alice Miller, Jenseits der Tabus, 2009, exclusiv im Internet

APRIL 2010

MARCH 2010

FEBRUARY 2010

JANUARY 2010

DECEMBER 2009

NOVEMBER 2009

OCTOBER 2009

SEPTEMBER 2009

AUGUST 2009

JULY 2009

JUNE 2009

MAY 2009

APRIL 2009

MARCH 2009

FEBRUARY 2009

JANUARY 2009

DECEMBER 2008

NOVEMBER 2008

OCTOBER 2008

SEPTEMBER 2008

AUGUST 2008

JULY 2008

JUNE 2008

MAY 2008

APRIL 2008

MARCH 2008

FEBRUARY 2008

JANUARY 2008

DECEMBER 2007

NOVEMBER 2007

OCTOBER 2007

SEPTEMBER 2007

AUGUST 2007

JULY 2007

JUNE 2007

MAY 2007

APRIL 2007

MARCH 2007

FEBRUARY 2007

JANUARY 2007

DECEMBER 2006

NOVEMBER 2006

OCTOBER 2006

SEPTEMBER 2006

AUGUST 2006

JULY 2006

JUNE 2006

MAY 2006

APRIL 2006

MARCH 2006

FEBRUARY 2006

JANUARY 2006

DECEMBER 2005

NOVEMBER 2005

OCTOBER 2005

SEPTEMBER 2005

AUGUST 2005

JULY 2005

Mutter und Großvater
Friday 18 April 2008

Sehr geehrte Frau Miller,

vor einigen Monaten entdeckte ich zufällig einige Ihrer Bücher (Das Drama des begabten Kindes, Am Anfang war Erziehung). Und obwohl ich sie faszinierend und einleuchtend fand konnte ich mir doch nicht recht vorstellen, das meine eigenen Depressionen und selbstzerstörerischen Tendenzen mit der frühen Kindheit zusammenhingen. Denn ich war immer stolz darauf, daß meine alleinerziehende Mutter uns nie geschlagen hat (inzwischen klingt das für mich seltsam), und ich erinnere mich daran das sie mit uns gespielt und gemalt hat.
Vor einiger Zeit war ich mit meiner Mutter Essen, und sie zeigte mir Fotos von ihrem Vater, von dem ich weiss das er sie geprügelt, entmutigt, gedemütigt und lächerlich gemacht hat. Inzwischen ist er gebrechlich, dement und in einem Pflegeheim, und meine Mutter kümmert sich rührend um ihn. Ich schnippte die Fotos weg und sagte auf ihre Nachfrage: "Ich kann ihn nicht leiden, weil er dich so scheiße behandelt hat". Darauf geschah etwas, was ich trotz ihrer emotionalen Instabilität bisher noch nicht erlebt habe. Sie hatte Tränen in den Augen, umklammerte meine Hand mit den ihren und flehte mich an, ihrem Vater zu verzeihen weil er es doch damals so schwer gehabt hätte.
Dieses Erlebnis brachte mich dazu, mich auch auf persönlicher Ebene näher mit den Anregungen aus Ihren Büchern auseinander zu setzen. Vielen Dank dafür. S. W.

AM: Sie schreiben, dass Sie unter Depressionen und selbstzerstörerischen Tendenzen leiden oder litten, aber darin keinen Zusammenhang zu Ihrer Kindheit sehen. Dann beschreiben Sie, wie Ihre Mutter Sie angefleht hat, Ihrem grausamen Großvater zu verzeihen, obwohl Sie das Gegenteil empfunden haben. Ich kann Sie nur dazu ermutigen, Ihren Gefühlen treu zu bleiben und sie ernst zu nehmen, das ist das beste Mittel gegen Depressionen. Hingegen bildet die Unterdrückung der eigenen echten Gefühle zugunsten einer Lüge eine Gefahr für den Körper und den ganzen Organismus.

Top