Alice Miller, Kindesmisshandlung, Kindesmissbrauch

Ein neues Buch von Alice Miller, Jenseits der Tabus, 2009, exclusiv im Internet

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Unerwünschte Kinder?
Monday 03 March 2008

Aus meiner Perspektive... Die Wahrheit über Eltern, die weiterhin die Tugend des Schlagens ihrer Kinder rechtfertigen, liegt darin, daß sie das Kind von vornherein nicht wollten. Das Kind wird als eine Bürde, als ein hungriger Mund angesehen. Der Erwachsene haßt das Kind, entweder bewußt oder öfter unbewußt. Der Erwachsene nimmt jeden Wutanfall oder jedes Fehlverhalten des Kindes persönlich. Der Erwachsene hat weder die Intelligenz noch die Reife, über den Moment hinaus zu blicken und in der Frustration oder im Ausagieren des Kindes sein Bedürfnis nach Liebe und Orientierung zu erkennen. Statt dessen wird dem Kind Gewalt demonstriert, die das Kind noch mehr entfremdet und in Not bringt.
Die beklagenswerte Wahrheit über mißbrauchte Kinder ist, daß uns wertlose Eltern aufgebürdet wurden. Wir wurden für Leute bestimmt, die uns zu nichts anderem gebrauchen konnten als zum Auslösen ihres eignen Ärgers und Selbsthasses. Wenigstens können wir jetzt klar ihre Motive und ihr Versagen sehen. Das ist etwas, um dankbar zu sein.
Wir müssen nicht das Ganze herunterschlucken und die antiquierte Parteilinie "Wer mit der Rute spart, verwöhnt das Kind" akzeptieren. Was soll denn das überhaupt bedeuten? Wie könnten Eltern, die zum Lieben unfähig sind, jemals ein Kind verwöhnen? Schlagen ist so viel einfacher als Liebe. Ich meine, wie könnte jemand womöglich sein Kind lieben und beschützen, um Himmels willen? Liebe ist einfach nicht normal, Schlagen ist der richtige Weg, nur weiter so! Und warum soll man denn beim Schlagen einhalten? Warum nicht gleich den kleinen Mistkerl beseitigen um sich selbst so die Energie zu ersparen, daß man den Gürtel herausziehen und ihn/sie die ganze Nacht durchs Zimmer jagen muß.
Ich bin natürlich ekelhaft sarkastisch, doch ich erinnere mich, daß ich manchmal so geschlagen und beschimpft wurde, daß ich um mein eigenes Leben fürchtete. Was für ein Segen ist es, lebendig zu sein und ohne Angst zurückschauen zu können. Hoffentlich ist in der Hölle ein Platz für all die reserviert, die glauben, daß es richtig ist, Kinder zu entmenschlichen.

(Dieser Brief sowie die Antworten wurden aus dem Englischen übersetzt.)

AM: Vielen Dank für Ihren mutigen Brief, der so viel Einblick zeigt. Sie haben recht, unerwünschte Kinder werden gewöhnlich mißhandelt. Doch es gibt auch eine große Menge von Leuten, die „erwünscht“ waren, wenn auch nur um die Rolle der Opfer zu spielen, die ihre Eltern brauchten, um Rache nehmen zu können. Sie waren „erwünscht“, um ihren Eltern das zu geben, was die niemals von ihren eigenen Eltern erhalten hatten: Liebe, Anbetung, Zuwendung und so viele andere Dinge. Warum denn würden sonst so viele Leute fünf oder mehr Kinder haben, wenn sie keine Zeit für sie haben? Warum adoptieren sie Kinder, wo ihr Körper sich doch weigert, ihnen das zu geben, was sie sich scheinbar „wünschen“?
Der niemals anerkannte, niemals gefühlte Schmerz ihrer Kindheit ruft danach, gerächt zu werden. Sie gehen in die Kirche, sie beten, sie ehren ihre Eltern, vergeben ihnen alles und mißhandeln zuhause ihre Kinder, oft auf grausame Weise, ALS OB DAS DIE NATÜRLICHSTE SACHE DER WELT WÄRE, weil sie dies so früh gelernt haben. Ihre Kinder lernen dieses pervertierte Verhalten auch sehr früh, und so wird dieses perverse Verhalten jahrtausendelang fortgesetzt. Außer wenn Menschen willens sind, die Perversion ihrer Eltern zu SEHEN und bereit sind, deren Imitation bewußt abzulehnen.
Sie sind nicht “ekelhaft sarkastisch”, Sie haben es nur gewagt, die Wahrheit auszusprechen, vor der die meisten Menschen Angst haben, sie zu sehen und darüber zu sprechen.


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